Rudi Thalhammer ist 70

Mit Rudi Thalhammer feiert am 1. Februar 2005 einer der erfolgreichsten österreichischen Motorradrennfahrer der Fünfziger- und Sechzigerjahre seinen 70. Geburtstag. Viele Siege, aber noch mehr Stürze, pflasterten seinen motorsportlichen Weg.

Schon früh entdeckte der Sohn eines Käsefabrikanten aus der Nähe Salzburgs seine Liebe zum Motorrad. So darf es auch nicht verwundern, dass er bereits kurz nach der bestandenen Führerscheinprüfung in den Nennlisten der Tiroler Alpenfahrt zu finden war. Platz drei auf seiner MBW R25 war das erstaunliche Ergebnis.

Danach sollte der sportliche Aufstieg in Windeseile erfolgen. Sein erster nationaler Sieg folgte auf einer NSU Sportmax beim Straßenrennen in St. Pölten am 15. April 1956.

Nur drei Wochen nach einem schweren Trainingssturz beim Großen Preis der Niederlande 1959 in Assen, bei dem seine NSU schwer beschädigt wurde, stand Rudi beim Eifelrennen auf dem Nürburgring wieder am Start. Bis zur letzten Runde hielt er Platz drei hinter den beiden MZ-Werksfahrern Hans Fischer und Walter Brehme. Obwohl Fischer Probleme mit seiner Kupplung bekam, sollte ihn Brehme laut Stallorder nicht überholen. So schnappte sich Thalhammer den Sieg und rückte damit in die Elite der Privatfahrer auf.

Für einen außergewöhnlichen Rekord sorgte der Salzburger beim Rennen im belgischen Badeort Zandvoort. Bei etwa 160 km/h blockierte wegen eines Klemmers das Hinterrad und Rudi wurde in hohem Bogen von seiner Sportmax geschleudert. "Nach 95 Metern landete ich mit dem Kopf an einem Zaunpfahl. Nach einer Woche Spitalsaufenthalt konnte ich die Heimreise antreten. Im Jahr darauf habe ich mir das ganze nochmals angesehen und die Spuren meines Sturzes waren noch deutlich sichtbar. Da wurde mir erst bewusst, welch großes Glück ich gehabt habe. Trotzdem bin ich bis heute auf Zandvoort beleidigt", erinnert sich Thalhammer an seinen einzigartigen Flug.

1961 sollte die erfolgreichste Saison werden. Der dritte Platz in Hockenheim und der vierte Rang in Kristianstadt brachte in der Endabrechnung der Weltmeisterschaft in der Klasse bis 350 ccm den ausgezeichneten sechsten Rang.

Ein besonderes Kapitel im Leben des Salzburger sollten die Rennen zur berühmten Tourist Trophy auf der Isle of Man werden. Der sechste Platz im Rennen der Viertelliterklasse brachte bei seinem Debüt 1959 den ersten WM-Punkt - eine bemerkenswerte Leistung für einen Neuling auf diesem über 60 Kilometer langen Kurs. Danach sollte er nie wieder die Zielflagge sehen.

Wie aufregend das Leben eines Rennfahrers sein konnte, beweist folgende Geschichte. Auf dem Weg zur Isle of Man machte Rudi einen Abstecher zum Rennen in Tubbergen (Niederlande) und qualifizierte sich sowohl in der Viertelliterklasse, als auch in der 350er-Klasse für die erste Startreihe. Weil die Rennen erst für Montag angesetzt waren, hastete Thalhammer mit seinem Mechaniker in der Nacht nach Chimay (Belgien), um auch dort an den Rennen teilzunehmen. Nach Platz drei in der Viertelliterklasse folgte der Sieg bei den 350ern (Jim Redman musste sich mit Rang zwei begnügen) ging es wieder zurück nach Tubbergen. Auch hier holte sich Rudi den dritten Platz auf seiner Sportmax und triumphierte mit seiner Norton 350. Für eine Erholungspause blieb wenig Zeit, weil man die Fähre auf die Isle of Man erreichen musste. Weil sie allerdings ausgebucht waren, musste der Transporter in Liverpool zurückgelassen werden. In Aller Hektik wurden die Motorräder an Bord geschoben, die Ersatzteile und Ausrüstungsgegenstände fanden im Transporter eines Rennfahrerkollegen Platz. Im Lightweight-Rennen wartete der Mechaniker vergeblich auf den vereinbarten Tankstopp. Rudi war in der dritten Runde bei zirka 200 gestürzt. Wie er später erzählte, war er wegen der Strapazen der letzten Tage einfach während der Fahrt eingeschlafen! Auch das Junior-Rennen endete nach wenigen Kilometern mit einem Sturz.

Ein weiterer Ausflug auf die Insel brachte 1961 im Junior-Rennen einen Ausfall. Ein Jahr später wollte es Thalhammer noch einmal wissen. Beim Versuch seine Streckenkenntnis zu verbessern, kollidierte er während einer Besichtigungsfahrt im öffentlichen Verkehr in der Nähe des Guthrie-Memorials mit dem Servicewagen von Castrol. Schwerste Beinverletzungen zwangen zu einer längeren Pause.

Die folgenden Jahre waren nicht nur von weiteren Siegen und Meistertiteln, sondern auch von schweren Verletzungen geprägt. So endete 1966 ein Ausflug zum Rennen in Jicin (Tschechien) mit einem Beckenbruch. Ein neuerlicher Sturz auf dem Salzburgring 1969 (Oberschenkelbruch) beendete schließlich die erfolgreiche Karriere von Rudi Thalhammer.

Eifelrennen 1962: Noch liegt Thalhammer auf seiner Norton 350 vor dem späteren Sieger Mike Duff (CAN). Rudi gemeinsam mit Dieter Krumpholz (DDR) nach dem Viertelliterrennen beim GP von Österreich 1965