Rupert Hollaus - Weltmeister für 1000 Stunden

Am 21. Juni 1953 kam es nach dem Rennen auf der Solitude zu einer schicksalhaften Begegnung. Ein junger Mann aus Österreich, der kurz zuvor vor 250.000 Zusehern das Rennen der Achtelliterklasse als bester Privatfahrer auf dem sechsten Platz beendet hatte, traf auf Ewald Praxl, seines Zeichens technischer Leiter der Rennsportabteilung des damals grössten Motorradherstellers. Er war von dessen fahrerischer Leistung derart angetan, dass er ihm einen Platz im glorreichen NSU-Rennstalls anbot.

Fast genau ein Jahr später sollte sich dieser junge Rennfahrer nach dem Sieg beim deutschen WM-Lauf mit nicht einmal 23 Jahren als bis dahin jüngster Motorradweltmeister vorzeitig das Championat in der Achtelliterklasse sichern - sein Name: Rupert Hollaus. Ein Triumph, den der bescheidene Jüngling aus Traisen nur kurz geniessen durfte. Am 11. September, nur wenige Tage nach seinem 23. Geburtstag, verunglückte Hollaus beim Versuch die Trainingsbestzeit von seinem Rivalen Carlo Ubbiali zu unterbieten, auf der Bahn von Monza tödlich. Der verhängnisvolle Sturz in der zweiten Lesmo-Kurve konnte nie restlos geklärt werden und führte zum sofortigen Ausstieg von NSU aus dem Zweiradsport.

50 Jahre nach dem Tod von Österreichs erstem Motorsport-Weltmeister, erschien vor wenigen Tagen im NP Buchverlag die Biographie "Rupert Hollaus - Weltmeister für 1000 Stunden". Der Grazer Thomas Karny, der seit seiner Kindheit durch Erzählungen seines Onkels ein verschwommenes Bild von Rupert Hollaus in sich trug, begab sich 30 Jahre danach auf Spurensuche und förderte in akribischer Kleinarbeit so manche interessante Geschichte des fast vergessenen Weltmeisters zu Tage.

Bereits nach wenigen Zeilen wird der Leser des Buches gedanklich in eine Zeit geführt, die später als die "wilden" Fünfziger bezeichnet werden sollten. Ein ganzes Land strebte nach mobiler Individualität und baute sich gerade ihr nationales Selbstvertrauen an den mit einer ungeheuren Eleganz erzielten Erfolge von Rupert Hollaus auf. Abseits von TV-Übertragungen und Sponsoren frönten Männer ihrem Sport auf Rennstrecken ohne Sturzräume oder Auslaufzonen. Der Tod gehörte damals zum Geschäft.

Der Autor versteht es den steilen Aufstieg und das abrupte Ende der Karriere von Rupert Hollaus an Hand vieler kleiner Stories rund um den Rennsport mit einer besonderen Leichtigkeit Revue passieren zu lassen. Wenn man die Biographie erst einmal zur Hand genommen hat, legt man sie nicht mehr zur Seite, bevor man nicht am Ende angelangt ist. Für jeden, der sich für die Geschichte des Motorradsports interessiert, ist das Buch "Rupert Hollaus - Weltmeister für 1000 Stunden" eine Pflichtlektüre und darf in keinem Bücherschrank fehlen.

Thomas Karny: "Rupert Hollaus - Weltmeister für 1000 Stunden", 224 Seiten, 50 SW-Fotos, Format 14 x 21,5 cm, gebunden mit Schutzumschlag.
ISBN 3-85326-236-8, NP Buchverlag, Preis EUR 21,90 / sFr. 37,20. Zu beziehen in jeder guten Buchhandlung.