Ex-Motorradcrack wird 90

Siegfried Vogel war Vorarlbergs erster Motorrad-WM-Punktesammler

Heute feiert Siegi Vogel seinen 90. Geburtstag. Das ist endlich eine gute Gelegenheit, ihn und seine Motorrad-Rennfahrerkarriere zu feiern. Vogel war der erste und vorletzte WM-Punktegewinner aus dem Ländle. Nach ihm schaffte nur noch der Götzner Werner Nenning (Sensationssieg am Ö-Ring 1979) dieses Kunststück.

Vogel startete seine Rennkarriere 1948 beim Lustenauer Motorradrennen. In der Beiwagenklasse wurde er mit "Schmiermaxe" Emil Loretz auf einer NSU auf Anhieb Zweiter. Fortan ließ ihn der Rennzirkus nicht mehr los und es zeigte sich rasch sein Talent. 1949 holte er sich mit einer BMW-Beiwagenmaschine Gesamtsiege bei international besetzten Rennen: Mit Beifahrer Loretz einen Doppelsieg in Graz, mit Paul Feurstein gewann er ihn Waidhofen, mit Leo Vinatzer in Linz und mit seinem Cousin Fredi Vogel triumphierte er am Pötschenpaß.

Ab 1950 nahm er den Dornbirner Lothar Werdath ins "Beiboot". Das Duo gewann auf Anhieb in Stockerau. 1951 kaufte sich Vogel für einen Drei-Jahres-Gehalt eine Norton-Maschine und bestritt unzählige Rennen in ganz Europa, wo er neben dem unvergessenen Rupert Hollaus oft der einzige Österreicher war. Vogel: "Wir bekamen als einzige ein Visum für Auslandsrennen, waren von Frühling bis Herbst unterwegs. Lothar Werdath musste ich praktisch bei seinem Vater freikaufen."

WM-Punkte in Spanien

Eine kleine Sensation schaffte Vogel (zwischendurch noch einmal mit Paul Feurstein) beim Auftaktrennen zur Motorrad-WM-Saison in Barcelona: Das Gespann verblüffte mit einem sensationellen fünften Rang, wofür es zwei WM-Punkte gab. Bei Rennen ohne WM-Status in Perpignan (Fra) und Luxemburg wurden Vogel (jetzt wieder mit Werdath) zweimal Zweite und hüpften in Madrid als Sieger mit neuem Streckenrekord auf das oberste Treppchen. Beim zweiten - völlig verregneten - WM-Saisonlauf im Berner Bremgarten lag der damals 33-jährige in der zehnten Runde bereits auf Rang sechs und damit erneut auf WM-Punktekurs, ehe er in einer Kurve fürchterlich abflog.

Nach der Saison 1952 mit sporadischen Renneinsätzen konzentrierte sich Vogel als Pächter zweier Tankstellen in Bregenz auf seine berufliche Laufbahn - ehe ihn nach 13 Jahren Pause erneut das Rennfieber packte: Von 1965 bis 1970 bestritt er auf einer BMW-Kneeler"-Königswellen-500 RS mit Fredi Leising nationale Beiwagen-Bergrennen, holte etliche Gespannsiege am Alpl, Weerberg, in Walding oder beim Koralpenrennen, wofür er mehrmals von der OSK mit dem "Motorsport Ehrenzeichen in Bronze"ausgezeichnet wurde.

Veröffentlichung des Artikels vom 6. August mit freundlicher Genehmigung durch den Verfasser Dietmar Gasser - Vorarlberger Nachrichten
(Fotos: Archiv Vogel)