Frühpensionist mit 17- Philipp Eitzinger beendet Karriere

Mit 13 Jahren war Philipp Eitzinger Österreichs jüngster Motorradmeister, mit 16 jüngster Europameister und jetzt mit 17 ist er der wohl jüngste Motorsportpensionist. Völlig überraschend verkündete der Oberösterreicher diese Woche seinen sofortigen Rückzug aus dem Motorsport. Damit endet die Karriere eines viel versprechenden Motorsportalents frühzeitig.

Als Gründe für seinen - zumindest vorübergehenden Ausstieg aus dem Rennsport - nannte Eitzinger zum einen die steigenden schulischen Herausforderungen in der Handelsakademie, die sich mit seinem Motorsportengagement nur schlecht vereinen lassen, und zum anderen die immer höheren finanziellen Aufwendungen, die für ein Privatteam kaum noch tragbar sind.

Als der Dreikäsehoch im Mai 2003 in Rijeka zum ersten Mal seine Honda 125 aus dem Transporter schob, konnte noch niemand ahnen, dass hier der kommende Meister das Parkett des Motorsports betrat. Es ist der Ausnahmeregelung durch die Oberste Nationale Sportkommission (OSK) zu verdanken, dass der 12-jährige Jüngling überhaupt an der internationalen österreichischen Meisterschaft teilnehmen durfte, denn zu diesem Zeitpunkt war der Erwerb einer Rennlizenz erst ab dem 14. Lebensjahr erlaubt. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren die Erfolge von Philipp, der im Jahr davor nicht nur die österreichische Minibike-Meisterschaft für sich entschieden, sondern in der EM der Klasse Junior B den vierten Platz belegt hatte.

Nach dem siebenten Rang im Training, in dem sich der Schüler erst langsam an seine Grenzen herantasten musste, beendete er bereits seinen Premierenauftritt mit einer Podiumsplatzierung, geschlagen nur vom italienischen GP-Haudegen Gabriele Gnani und dem Ungarn Attila Magda!

Bereits im zweiten Rennen folgte, was niemend zu wagen hoffte, wahrscheinlich nicht einmal die Eltern des hoffnungsvollen Teenagers. Bereits im Training verwies Philipp alle seine Konkurrenten und gewann das Rennen nach einem sehenswerten Zweikampf gegen den regierenden österreichischen Meister Gnani.

Nach einem vierten Platz beim zweiten Rennen in Rijeka folgten auf dem A1-Ring und auf dem Pannoniaring zwei weitere Siege. Der auf dem alten Formel-1-Kurs in der Obersteiermark übrigens mit nur wenigen Tausendstel Sekunden Vorsprung. Mit zwei fünften Rängen bei den letzten beiden Meisterschaftsläufen sicherte sich Eitzinger mit 128 Punkten völlig überraschend den Titel in der internationalen österreichischen Meisterschaft. Damit löste der Junge aus der Bierstadt Zipf, Karl Truchsess als jüngster Meister ab.

Für das Jahr 2004 schloss man einen Vertrag mit dem Team E.L.I.T. für die IDM125 ab. Aber bereits beim vierten Rennen vertraute man wieder auf die eigenen Fähigkeiten. Vor allem der ehemalige GP-Sieger Edi Stöllinger kümmerte sich um die technischen Belange der Honda RS 125. Gleich das erste Rennen als eigenständiges Team durfte man sich auf dem Salzburgring über Platz vier freuen. Am Ende der Saison hatte Philipp 34 Punkte in der IDM geholt, die ihn auf den 14. Endrang brachten.

Auch im Jahr 2005 versuchte man sich in der IDM125. Trotz zweier Ausfälle (ein Sturz, ein technischer Defekt) konnte sich Eitzinger nach neun Top-10-Ergebnissen auf den achten Platz in der Meisterschaft verbessern.

Anfang 2006 war man sich im Team nicht einig, ob man den Fokus wieder auf die IDM oder doch auf die Europameisterschaft legen sollte. Um sich optimal auf die deutsche Meisterschaft vorzubereiten, nahm Philipp in Vallelunga und Assen an den Läufen zur EM teil. Bereits in den Niederlanden musste sich der Oberösterreicher nur knapp dem Lokalmatador Hugo van den Berg geschlagen geben. Nach dem Sieg bei der nächsten Veranstaltung in Rijeka und der Führung im Zwischenklassement war klar, man wollte unbedingt den Titel nach Österreich bringen. Mit einem zweiten Rang in Most, einem Sieg in Karlskoga und dem dritten Platz beim abschließenden Rennen in Cartagena machte sich der 16-jährige zum jüngsten Europameister aller Zeiten.

Auch in der IDM lief es ausgezeichnet. Zwei dritten, zwei vierten, einem fünften und einem sechsten Platz summierten sich am Ende des Jahres zum sechsten Rang. Getrübt wurde die Saison allerdings durch den Tod von Eduard Stöllinger, der bei einer Oldtimerveranstaltung in Schwanenstadt sein Leben verlor. Ohne von diesem traurigen Ereignis zu wissen, brauste Eitzinger beim Saisonfinale in Hockenheim aufs Podium.

Das Jahr 2007 sollte als Vorbereitungssaison für den Einstieg in die Weltmeisterschaft dienen. Man entschloss sich deshalb, an der spanischen Meisterschaft teilzunehmen und einige Wild-Card-Einsätze zu bestreiten. Nach den Eisätzen beim GP von Katalonien in Barcelona (Startplatz 30, Sturz in Runde 12) und beim GP der Niederlande in Assen (Starplatz 36, Platz 29 im Rennen) war allerdings klar, dass man mit einer Honda weder in der Weltmeisterschaft, noch in Spanien eine Chance hat. "Obwohl ich in der spanischen Meisterschaft ständig einer der schnellsten Honda-Fahrer war, reichte es nur für Plätze zwischen 10 und 15. Das war für mich keine Motivation mehr", erklärt der Teenager den Entschluss zum Rücktritt nach reiflichen Überlegungen. "Um in der spanischen Meisterschaft aufs Podest fahren zu können, müsste man sich für 250.000 Euro in ein Team einkaufen. Dafür lassen sich in Österreich aber keine Sponsoren finden und als Privatfahrer fehlen uns einfach die finanziellen und technischen Möglichkeiten."

Auch der für 2008 geplante Einstieg in die WM ist kein Thema mehr. "Nächstes Jahr möchte ich erst einma meine Matura ablegen. Eine gute schulische Ausbildung ist mir wichtig. Danach werden wir weitersehen. Vielleicht gibt es danach ein Comeback."

(Text: Helmut Ohner,Fotos: Archiv Eitzinger, Helmut Ohner)


So fing alles an

Vater und Sohn: ein erfolgreiches Duo

Philipp in voller Fahrt


Noch etwas schütern: erster Sieg in Brünn 2003 (v.l.n.r.: Gabriele Gnani, Philipp Eitzinger, Patrik Ertl)

Jahr Prädikat Rennstrecke
Platzierung
2003 IOEM Rijeka (Kroatien)
3.
. IOEM Brünn (Tschechien)
1.
. IOEM Rijeka (Kroatien)
4.
. IDM Salzburgring (Österreich)
14.
. IOEM A1-Ring (Österreich)
1.
. IOEM Pannoniaring (Ungarn)
1.
. IOEM Hungaroring (Ungarn)
5.
. IOEM Rijeka (Kroatien)
5.
. IDM Hockenheimring (Deutschland)
Sturz
2004 IDM Sachsenring (Deutschland)
18.
. IDM Hockenheimring (Deutschland)
Sturz
. IDM Nürburgring (Deutschland)
15.
. IDM Salzburgring
4.
. IOEM Pannoniaring
1.
. IDM Lausitzring
7.
. IOEM Brünn
4.
. IDM Schleiz
16.
. IDM Oschersleben
13.
. IDM Hockenheim
Defekt
2005 EM Assen (Niederlande)
8.
. IOEM Hungaroring
3.
. IDM Lausitzring
7.
. EM Hungaroring (Ungarn)
6.
. IDM Pannoniaring (Ungarn)
Sturz
. IDM Nürburgring (Deutschland)
7.
. IDM Salzburgring (Österreich)
7.
. EM Most (Tschechien)
3.
. IOEM Pannoniaring (Ungarn)
1.
. IDM Schleiz (Deutschland)
Defekt
. EM Schleiz (Deutschland)
Defekt
. IDM Oschersleben (Deutschland)
5.
. IDM Sachsenring (Deutschland)
6.
. IDM Hockenheimring (Deutschland)
7.
. EM Cartagena (Spanien)
5.
. CEV Valencia (Spanien)
14.
2006 EM Vallelunga (Italien)
8.
. EM Assen (Niederlande)
2.
. IDM Hockenheim (Deutschland)
3.
. IDM Oschersleben (Deutschland)
4.
. IDM Lausitzring (Deutschland)
Defekt
. EM Rijeka (Kroatien)
1.
. IDM Nürburgring (Deutschland)
6.
. EM Most (Tschechien)
2.
. IDM Salzburgring (Österreich)
4.
. EM Karlskoga (Schweden)
1.
. IDM Schleiz (Deutschland)
Sturz
. IDM Sachsenring (Deutschland)
5.
. IDM Hockenheim (Deutschland)
3.
. CEV Catalunya (Spanien)
Defekt
. EM Cartagena (Spanien)
3.
2007 ONK Assen (Niederlande)
1.
. CEV Albacete (Spanien)
16.
. CEV Catalunya (Spanien)
12.
. WM Catalunya (Spanien)
Sturz
. CEV Jerez (Spanien)
10.
. WM Assen (Niederlande)
29.
. CEV Valencia (Spanien)
Defekt